Die Marienkapelle des Marchtaler Klosterhofes (Oberamteistrasse 29) ist ein markantes Gebäude der Reutlinger Innenstadt.
Das hinter dem historisierenden Anbau aus dem 19. Jahrhundert verborgene mittelalterliche Kleinod beherbergt heute die Freimaurer- loge „Glocke am Fusse der Alb“, die Druidenloge „Achalm“ und die Frauenloge „Drei Säulen im Zeichen der Silberdistel“.
Aus der vom letzten Abt des oberschwäbischen Klosters verfassten “Kurzen Geschichte von dem Prämonstratenserstifte Obermarchthal“ geht hervor, dass unter Probst Walther II. von Marchtal etwa um das Jahr 1240 in Reutlingen „eine Kapelle samt Baustätte und verschiedenen Höfen“ an das Kloster Marchtal gelangten. Walther war es auch, „der die Kapelle von Grund auf erbaute“. Diese „Kapelle der heiligen Jungfrau“ ist älter als die zwischen 1273 und 1343 erbaute Marienkirche. Beim großen Stadtbrand von 1726, der fast die ganze Stadt einäscherte, zersprangen zwar die Fensterscheiben, im übrigen blieben der Marchtaler Hof und seine Kapelle unversehrt.
Durch die Säkularisation im Jahre 1802 kamen das Stift Marchtal und der Reutlinger Klosterhof in den Besitz des Fürsten von Thurn und Taxis. Er veräußerte jedoch seinen neuen Besitz schon im Jahr 1811 an drei Reutlinger Bürger. Diese verkauften das „Kirchlein“ an den Zinn-gießer Christian Adam Kurtz, der 1812 in der Kapelle eine Roth- und Glockengießerei ein-richtete. Im Jahr 1885 erwarb der Privatier Carlos Majer das Bauwerk für die Freimaurerloge „Glocke am Fusse der Alb“. Der steinerne Spitzbogen für das Haupttor der Kapelle wurde beim Um-bau 1893 ausgebrochen und an die Straßenfront des Gebäudes verlegt, so daß man heute das Haus durch denselben Torbogen betritt, den vor Jahrhunderten die Gläubigen durchschritten, wenn sie die Messe besuchten.
Geschichtliche Daten
- 1873 Unter der Protektion der LOGE ZU DEN 3 Cedern i. O. Stuttgart gründen 11 Freimaurer in Metzingen ein "Kränzchen am Fusse der Alb".
- 1881 Der Gasthof "Zur Sonne" in Reutlingen wird neuer Versammlungsort. 1885 Der Privatier Br.: Carlos Majer erwirbt formell die ehemalige Kapelle des Marchtaler Hofes als Heimstatt für die zukünftige Loge.
- 1886 Am 22. Mai Gründung der St. Johannisloge "GLOCKE AM FUSSE DER ALB" im Orient Reutlingen durch die Großloge von Hamburg.1892 Auf der Grundfläche des an die Kapelle angebauten alten Waschhauses wird aus Reutlinger Tuffsteinquadern ein Anbau mit Tempelvorraum und Bankettsaal errichtet.
- 1904 Die Loge wird nach den Bestimmungen des Bürgerlichen Gesetzbuchs "Eingetragener Verein".1933 Androhung der zwangsweisen Auflösung der Loge und Beschlagnahme ihres Vermögens und ihrer Einrichtung, falls nicht unverzüglich ihre freiwillige Auflösung erfolgt. Verkauf des Logengebäudes an die evangelische Kirchengemeinde. Hausdurchsuchung durch die "Geheime Staatspolizei". Übergabe der Logenbücherei an die Universitätsbibliothek Tübingen.
- 1946 Die Wiederaufnahme freimaurerischer Arbeit wird durch die französische Militärregierung genehmigt.
- 1948 Rückkauf des Logengebäudes. 62. Stiftungsfest im wiedererlangten Tempel.
- 1971 Zu ihrer finanziellen Entlastung verkauft die Loge die Hälfte des Logengebäudes an die Druidenloge "Achalm"
- 1974 Verkündung der Partnerschaft zwischen der Loge "La Noble Amitié" in Metz und der Loge "Glocke am Fusse der Alb".
- 1996 Am 11. Mai Feier des 50sten Jahrestags der Wiederzulassung der Glocke am Fusse der Alb"
SO FINDEN SIE UNS
Freimaurerloge "Glocke am Fusse der Alb"
Oberamteistrasse 29
72764 Reutlingen